Christliche Gedichte (z.B. Ostergedichte, Familiengedichte) und Lieder

christliche-gedichte.de - 10.07.2020
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Auf, auf, mein Geist, betrachte

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1. Auf, auf, mein Geist, betrachte
des Christen hohen Stand!
Wach auf vom Schlaf, verachte
der Eitelkeiten Tand!
Die Lust der Welt vergehet
und endet sich in Leid;
des Christen Glück bestehet
in Zeit und Ewigkeit.

2. Dich stellt zu Gottes Bilde
dein Mittler wieder her;
drum sei gerecht und milde
und rein und fromm wie er!
Auf, auf, die Zeit verschwindet
und alles mit der Zeit,
nur dem, der überwindet
lohnt einst die Ewigkeit!

3. Gebet und Ernst erringen
das Heil der bessern Welt.
Auf, alles zu bezwingen,
was dich gefangen hält!
O wache! Deine Feinde
verändern die Gestalt:
Bald schmeicheln sie als Freunde,
bald brauchen sie Gewalt.

4. Vergleiche dieses Leben
mit dem, was Gottes Geist,
aus Gnaden uns zu geben,
in seinem Wort verheißt:
Dann wirst du bald erkennen,
es sei doch in der Tat
nur Eitelkeit zu nennen,
was diese Erde hat!

5. Du ringst nach Ruhm und Ehre
und willst bewundert sein,
als ob nichts Höheres wäre:
Denk nur an Jesu Pein!
Er ist für dich gestorben
und hat zum Eigentum
den Himmel dir erworben:
Das sei dein wahrer Ruhm.

6. Was sind des Reichtums Gaben,
die hier der Rost verzehrt?
Willst du den Schatz nicht haben,
den Jesus uns gewährt,
wenn wir uns ihm ergeben
und unser Herz ihm weihn,
um ihm getreu zu leben
und uns in ihm zu freun?

7. Was sind des Leibes Freuden,
der Sinne Gaukelspiel?
Sie schaffen dir der Leiden,
der Müh und Sorgen viel,
entfernen deine Seele
je mehr und mehr von Gott,
und in des Grabes Höhle
begräbt sie doch der Tod.

8. Gott ist die rechte Quelle,
aus der sich Lust ergießt,
die ewig rein und helle
für fromme Seelen fließt.
Dem lohnet kein Vergnügen,
auf den sein Aug nicht blickt;
er bleibt ihm Staube liegen
und ewig unerquickt.

9. Auf denn, mein Geist, entschwinge
dich dieser Sinnlichkeit
und glaube, bete, ringe
nach jener Seligkeit!
Die Welt wird einst vergehen
mit dem, was in ihr ist;
doch Gott bleibt ewig stehen,
mit ihm dein Heil, o Christ!

10. Vom Dienst der Eitelkeiten
befreie, Gott, mein Herz!
Den heißen Wunsch nach Freuden,
den lenke himmelwärts!
Ruh kann die Welt nicht geben
dem Geist, der ewig ist;
nur der hat Ruh und Leben,
dem du, Gott, alles bist.


(Lied, Autor: Nach Christ. Ludw. Edeling (1678 - 1742) bearb. von Friedr. Brauer (1754 - 1813)